Es sind insgesamt zusammengekommen:

13396 Onlineunterschriften

1473 Stimmen in zugeschickten Unterschriftenlisten

14869 insgesamt

davon abzüglich Fakes und Doppelungen 285

Gesamtzahl der Unterschiften: 14.584 Menschen, die sich gegen die Sendung “Erwachsen auf Probe” ausgesprochen haben!
Wir bedanken uns für diese herausragende Unterstützung!

Die Entwicklung des Protestes

(mit den aktuellsten Informationen beginnend…)

Antwort vom RTL-Kinderschutzbeauftragten Herr Czaja auf unseren Bericht über die fachliche Aussprache am
24. Juni 2009

Sehr geehrte Frau Dr. May,

in Ihrem Onlinebericht von unserem Gespräch auf der  Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention & Prophylaxe ist mir deutlich geworden,dass Sie und ihre Mitsteiterinnen durch unsere Sicht der Dinge und die in Ihrer Unterschriftensammlung nicht berücksichtigten Fakten nur schwer oder garnicht zu erreichen sind. RTL hatte ja sehr schnell klargestellt, dass der Satz aus einer Pressemeldung, auf den Sie sich bezogen haben, die tatsächlichen Produktionsbedingungen nicht wiedergibt, sondern eine unglückliche, mißverständliche  Verkürzung der Produktionsbeschreibung darstellt.
Nun ist mir klar, dass sich solch ein zugespitzer Konflikt nicht in einem ersten Gespräch ausräumen läßt. Bitte nehmen Sie aus unserem Kontakt aber mit, dass RTL, der Jugendschutzbeauftragte des Senders, jederzeit ansprechbar ist. Sie machen eine so wichtige Arbeit, dass es doch bedauerlich ist, wenn Sie Ihre Kraft und Zeit in ein Projekt stecken, bei dem sich später heraus stellt, dass es von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist. Es hätte für Sie gesprochen, wenn Sie das stärker berücksichtigt hätten. Im Grunde sind wir als führender Fernsehprogrammveranstalter Ihr Verbündeter. Ich bedaure das sehr, dass wir diese Sendereihe so unterschiedlich wahrnehmen.
Nur wenn es uns gelingt ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, werden wir in Zukunft auch bei Ihnen fachlichen Rat suchen können. Ich kann Ihnen versichern, dass wir hier aus den Erfahrungen gelernt haben. Auf jeden Fall werden wir unsere Sendeprojekte präziser planen und kommunizieren und dabei fachlichen Rat einholen.
Gleichzeitig muss ich aber darauf hinweisen, dass einige Punkte die wir besprochen haben, auch aus der Sicht von Wissenschaftlern gut begründet auch anders gesehen werden können. Auch in meinem Fachgebiet erlebe ich das immer wieder, da werden beispielsweise Sendungen ausgezeichnet und gleichzeitig von anderen schwer kritisiert.  Das sind die Schwierigkeiten einer pluralen Gesellschaft, damit müssen wir wohl lernen umzugehen.
Übrigens: Hier kommt gerade die Meldung, dass die Kölner Staatsanwaltschaft, die wohl 60 Klagen erhalten hatte, die Ermittlungen gegen RTL  eingestellt hat. Die Anklagebehörde hatte untersucht ob der Tatbestand der Körperverletzung oder ein verstoß gegen die Fürsorgepflicht vorliegt. Beides verneint nun die Staatsanwaltschaft.
Ihre beiden Leitz-Ordner mit der Unterschriftslisten habe ich, wie versprochen nach Köln gebracht und Redaktion und Geschäftsführung vorgelegt.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Czaja

Bericht der Gesprächsrunde zwischen dem Kinderschutzbeauftragter RTL und Fachleuten aus dem Bereich Kinderschutz

Am 24. Juni 2009 fand in Berlin eine Gesprächsrunde mit dem Kinderschutzbeauftragten von RTL Herrn Czaja und Fachleuten verschiedener Professionen statt.
Teilgenommen haben Menschen aus dem Bereich Kinderschutz, Psychologie, Recht und Pädagogik.

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Formale Hintergrundinformation

Herr Czaja führt zu Beginn des Gespräches aus, dass RTL ein Privatsender ist und von daher keinen Anspruch hat, Bildungsfernsehen zu sein. Dennoch ginge es dem Sender darum, auf brisante Themen aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren und möglichst viele zu erreichen.

Gleichzeitig führt er als Hintergrundintention aus, dass Jugendschwangerschaften einen nicht unerheblichen Teil aller Schwangerschaften ausmachen (13 auf 1000, was defacto aber nur 1,3 % sind). Sie seien mit einem erheblichen Armutsrisiko verbunden.

RTL ist Lizenznehmer dieses Sendeformates, dass vom 3. Programm des BBC übernommen (richtet sich gezielt an junge Menschen) wurde. Es waren relativ strenge Auflagen zu erfüllen. Für das Deutsche Fernsehen erweitert worden sein soll die Vorbereitungsphase der beteiligten Teenager, der Einsatz der Babypuppen, der Babybauch und der Geburtsvorbereitungskurs. Auf die im Ursprungsformat vorgesehene Betreuung alter Menschen wurde für Deutschland verzichtet.

Herr Czaja führt aus, die Zuschauerauswertung habe ergeben, dass ein großer Prozentsatz junger Frauen bis 29 Jahre die Sendung verfolgt hat (38 % des Zuschaueranteils), Männer der gleichen Altersgruppe schauten nur zu 18/19 % zu. Insgesamt räumt er ein, dass das übliche Zuschauerpotential mit dieser Sendung nicht erreicht werden konnte und insofern eine weitere Produktion für RTL nicht interessant zu sein scheint. Schade, dass nicht fachliche Argumente zu dieser Entscheidung führen konnten.

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Inhaltliche Diskussion

Es ginge in der Sendung darum, dass sich Jugendliche mit ihren Problemen wieder erkennen und daraus lernen, wie sie es anders machen könnten. Den Einwand einer Gesprächsteilnehmerin warum sich die Jugendlichen dann auf diese Weise blamieren müssen und durch Kommentare bloßgestellt werden müssen, weist Herr Czaja zurück, das sehe er nicht so.

Es wird von einer Teilnehmerin ausgeführt, dass die Grundrechte der Säuglinge in der Sendung nicht gewahrt wurden, sondern die Säuglinge ohne Not zum Objekt eines Experimentierfeldes gemacht wurden. Es gäbe auch in anderen Situationen die Erfordernisse, Kinder von ihren Eltern zu trennen (Fremdbetreuung, Herausnahme aus der Familie etc.). Hierbei würde aber VOR der Trennung genauestens abgewogen, welche Interessen höher zu bewerten sind (Gefahr für Leib und Leben versus Herausnahme aus der Familie) bzw. welche Übergangsbedingungen erforderlich sind, damit das Kind keinen Schaden nimmt (Eingewöhnungsphasen in Kitas).

In diesem Kontext führt Herr Czaja aus, dass die Kinder nach einer Eingewöhungsphase von drei bis vier Tagen mit den Jugendlichen ja gar nicht wirklich von den Eltern getrennt wurden. Diese seien vielmehr immer in der Nähe gewesen, teilweise auch im gleichen Raum bzw. im Nebenhaus, hätten ständig Kontakt über Bildschirme gehalten. Nur das Zwillingspärchen habe bei den Jugendlichen übernachtet, alle anderen seien nachts bei den Eltern gewesen. Er räumt ein, dass es hier durch eine fehlerhafte Pressemitteilung sicherlich zu falschen Interpretationen gekommen sei. Weiter führt er aus, dass aus seiner Sicht “kein Baby gegen seinen Willen in eine solche Situation gegeben werden kann. Es würde sofort weinen und schreien…” – das muss ich hier sicherlich nicht mehr kommentieren… Auf den Einwand, die Babys hätten auch bitterlich geweint und eine Mutter sei am Bildschirm auch fast in Tränen ausgebrochen und beides sei ausführlich mit der Kamera gezeigt worden, reagiert Herr Czaja leider nicht…

Es folgen bindungstheoretische Ausführungen, in welch einer Situation sich diese Kinder durch die Dreharbeiten befunden haben, was diese Erfahrungen möglicher weise bewirken und nach sich ziehen können. Herr Czaja versucht diesen Argumenten mit Hinweis auf (familien-)politische Interessen und Wahlkampfabsichten auszuweichen. Es folgt der Hinweis auf kritische Stellungnahmen zahlreicher Fachverbände, die ausschließlich das Kindeswohl im Blick haben. Da es Herrn Czaja aber offenkundig an Hintergrundwissen bezüglich kindlicher Bedürfnisse und Erfordernisse fehlt, “erreicht” ihn dieses Argument leider nicht…

Außerdem wird verwiesen auf die Reaktion zahlreicher Firmen, die infolge dieser Kritik und öffentlichen Diskussion ihre Werbeaufträge im Kontext der Sendung zurückgezogen haben. Erst jetzt räumt Herr Czaja ein, dass tatsächlich die Werbung weg bricht und er durchaus versteht, dass sich die Fachöffentlichkeit empört hat, setzt dies aber hauptsächlich in Beziehung zur fehlerhaften Presseerklärung. “Wir haben diese Reaktion einfach nicht erwartet und das Problem völlig unterschätzt. Wir sind in ein gesellschaftliches Spannungsfeld geraten, das uns nicht bewusst war”. Schade, dass Herr Czaja nur durch monitäre Aspekte zu überzeugen war und pädagogisch-psychologische Kritikpunkte für diese Einsicht wenig ausschlaggebend waren…

Herr Czaja wird nach seinem fachlichen Hintergrund befragt, was ihn zum “Jugendschutzbeauftragten” gemacht hat. In seiner Antwort wird deutlich, dass er eine Ausbildung im Bereich Film und Fernsehen hat und keine pädagogisch/psychologische Ausbildung/Kenntnisse hat. Er sieht sich selbst allerdings vorwiegend als jemand, der Rechtsvorschriften einzuhalten hat… (Auch hier kann ich mir einen  Kommentar sparen!)

Dem Sender RTL wird ausdrücklich empfohlen, künftig im VORFELD von Sendeproduktionen stärker fachlichen Rat einzuholen und seinen Umgang mit den Grundrechten und der Würde anderer Menschen, insbesondere der von Kindern und Jugendlichen,  respektvoller und bedürfnisorientierter umzugehen. Herr Czaja sicherte das zu und es habe diesbezüglich auch schon eine Vereinbarung mit der Landesmedienanstalt Niedersachsen gegeben.

unterschriften_kleinZum Abschluss wurden Herrn Czaja die knapp 15.000 Unterschriften der Protestaktion der Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention&Prophylaxe e.V. übergeben und die rund 10.000 der Unterschriftenaktion des Familiennetzwerkes e.V. http://www.familie-ist-zukunft.de.Es haben sich also 25.000 Menschen gegen die Ausstrahlung dieses Sendeformates ausgesprochen!

Herr Czaja wurde gebeten, diese Unterschriften der Geschäftsführerin Frau Schäferkordt zu übergeben. Es wird eine Empfangsbestätigung und eine Stellungnahme von Frau Schäferkordt erwartet. Dies wurde uns von Herrn Czaja zugesagt.

Berichterstattung: Angela May

Die Unterschriftenaktion ist beendet!

Es sind insgesamt zusammengekommen:

13396 Onlineunterschriften

1473 Stimmen in zugeschickten Unterschriftenlisten

14869 insgesamt

davon abzüglich Fakes und Doppelungen 285

Gesamtzahl der Unterschriften: 14.584 Menschen, die sich gegen die Sendung “Erwachsen auf Probe” ausgesprochen haben!

Wir bedanken uns für diese herausragende Unterstützung

Auszüge aus der bisherigen Entwicklung

Einen Offenen Brief aus Österreich finden Sie hier: Offener Brief Liga an RTL

KJM kritisiert RTL-Show „Erwachsen auf Probe”:

Ausstrahlung der ersten Doppelfolge rechtlich zulässig, aber ethisch und pädagogisch unverantwortlich

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich in ihrer heutigen Sitzung mit der ersten Doppelfolge der RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe” befasst. Dabei wurde deutliche Kritik an der Anlage und den Produktionsbedingungen des Formats geübt. Säuglinge werden nach Auffassung des Gremiums für dramaturgische Effekte eingesetzt und die jugendlichen Teilnehmer mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel einem Realitätsschock ausgesetzt. Sie werden von Erziehern und so genannten Experten beobachtet und kontrolliert, erhalten jedoch keine echte und umfassende Hilfe, beispielsweise von Vertrauenspersonen aus ihrem familiären Umfeld. Nach Einschätzung der KJM ist „Erwachsen auf Probe” weder pädagogisch wertvoll noch pädagogisch begründet.

In ihrer rechtlichen Bewertung kam die KJM zu dem Ergebnis, dass eine Menschenwürdeverletzung nicht gegeben ist und angesichts der Sendezeit nach 20.00 Uhr eine Beeinträchtigung von Zuschauern über zwölf Jahren nicht vorliegt. Nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) kann die KJM lediglich prüfen, welche Wirkung eine Sendung auf minderjährige Zuschauer ausüben kann. Damit teilt die KJM die Einschätzung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), die das TV-Format vor der Ausstrahlung begutachtet hatte. Maßnahmen kann die KJM nur dann ergreifen, wenn die FSF den rechtlichen Beurteilungsspielraum überschritten hat.

Die KJM prüfte die RTL-Sendungen gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag mit Blick auf die Einhaltung des JMStV und das Wohl der jungen Zuschauer. Dabei kann die unabhängige Kommission immer erst nach der Ausstrahlung einer TV-Sendung prüfen. Es ist dagegen Aufgabe der nach dem Jugendschutzgesetz (JuschG) zuständigen Stellen, zu beurteilen, ob das Wohl der an der TV-Produktion mitwirkenden Kinder und Jugendlichen verletzt wurde.

In diesem Zusammenhang hatten die Jugendminister Anfang Juni gefordert, bei der geplanten Novellierung des Jugendarbeitsschutzgesetzes ein Verbot der Beteiligung von unter 3-jährigen Kindern vorzusehen.

„Eine kritische Diskussion darüber, ob das physische und psychische Wohl der Babys und Kinder während der Produktion gewahrt war, begrüße ich sehr. Wenn Kinder und Jugendliche in Reality-Shows mitwirken, sind besondere Sensibilität und ein hohes Verantwortungsbewusstsein gefragt”, sagte der KJM-Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring nach der Entscheidung.

Die am 10. Juni 2009 ausgestrahlte Folge von „Erwachsen auf Probe” wurde von der KJM noch nicht abschließend geprüft. „Die Entscheidung der KJM zur ersten Doppelfolge ist kein Freibrief für die weiteren Folgen der Reihe. Auch bei ihnen wird der gleiche Prüfmaßstab angelegt”, sagte Ring.

Die KJM wird das nächste Mal am 15. Juli 2009 zusammenkommen und über die bis zu diesem Zeitpunkt ausgestrahlten Folgen entscheiden.

Quelle: http://www.kjm-online.de/public/kjm/index.php?news_id=197&show_1=59,53&z=1&action=show_datails

Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: Kinder in Medienproduktionen besser schützen

Lesen Sie hier den vollständigen Text: MMD14-9425

Zahlreiche Firmen haben Ihre Werbebuchungen in und um das Format “Erwachsen auf Probe” zurückgezogen.

Somit ist RTL gezwungen, Werbetrailer für die eigenen Filme immer wieder zu wiederholen…. Die Firmen haben sich von den fachlichen Argumenten gegen die Ausstrahlung der Sendung überzeugen lassen und wollen offenkundig nicht in das Negativimage hineingezogen werden. Hierzu gehören u.A. : Nintendo (Elektronik), Storck (Süßwaren), GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG (Drogeriewaren/pharmazeutische Prodiukte) Söhnlein (Sekt) Lidl, VHV-Versicherungen, Karstadt-QWuelle-Versicherungen, IKEA, Boehringer-ingelheim (Pharmazeutische Produkte) Obi (Baumarkt), Müllermilch,

Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten KJM

Am Donnerstag (4.6.09) beriet die Kommission für  Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten KJM über die weitere  Ausstrahlung der Sendung. Aufgrund zahlreicher Mails wurde "weiterer  Diskussionsbedarf" festgestellt. (Ausführliche Informationen finden sie hier)

Ein erste Erfolg: Die KJM konnte die unsägliche Sendung nicht einfach “durchwinken”, sondern wird am 17.6.09, dann im Plenum, weiter über die Sendung verhandeln müssen. Deswegen ist es auch weiterhin nötig, unserem Protest Gewicht und Stimme zu verleihen.

Bitte schicken Sie deshalb aus Ihrer persönlichen Sicht oder Fachperspektive ein kurzes Statement an die KJM, warum Sie meinen, dass die RTL-Sendung nicht weiter ausgestrahlt werden darf. Ziel ist es, der KJM zu signalisieren, dass es sowohl im TV-Publikum als auch unter Fachleuten ungebrochenen Widerstand gegen die RTL-Sendung “Erwachsen auf Probe” gibt.
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Eine Stellungnahme des Berufsverband der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und –therapeuten e.V. finden Sie hier bkj_Stellungnahme

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Hier finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten bisherigen Stellungnahmen:

http://wissen.familie-ist-zukunft.de/wakka.php?wakka=Reaktionen

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Kinder sind keine Ware
Gemeinsame Stellungnahme von 60 Verbänden

Fachverbände der Kinder- und Jugendhilfe, Verbände, die sich in Deutschland für die Umsetzung der Rechte des Kindes einsetzen, und im Bundesforum Familie zusammengeschlossene Verbände protestieren scharf gegen die geplante RTLSerie Erwachsen auf Probe, in der Eltern ihre Kinder für mehrere Tage in einem kameraüberwachten Haus an Jugendliche abgeben. Hier sollen noch minderjährige jugendliche Paare den Alltag mit Kindern hautnah erfahren, damit ihnen klar wird, was frühe Elternschaft bedeutet – so die Intention des Senders. Es beginnt mit Babys, dann folgen Kindergartenkinder, Schulkinder und „Halbstarke“.

Die unterzeichnenden Verbände sehen in diesem Experiment ein erhebliches Risiko, gerade für die Babys, die ohne Not einem erheblichen Stress ausgesetzt wurden. Allen Kindern drohen in der angespannten Atmosphäre des Drehortes schwere Belastungen – die Anwesenheit einer Alibi-Psychologin nützt da gar nichts. Die Jugendlichen, die die Kinder „erziehen“ sollen, sind selbst noch minderjährig, kommen aus belasteten Lebensumständen und müssen selbst vor öffentlicher Zurschaustellng geschützt werden.

Die Fachleute fordern die zuständigen Jugendämter auf, hier aktiv zu werden, mit den betroffenen Eltern zu sprechen und notfalls einzuschreiten. Die Rechte der Kinder auf Schutz und Förderung ihrer Entwicklung haben einen höheren Stellenwert als Elternrechte, die nicht im Interesse der Kinder wahrgenommen werden. Wenn Eltern ihren (von ihnen abhängigen) Kindern so etwas zumuten, bedürfen sie selbst der Unterstützung für ihre Erziehungsaufgabe.

Vor allem aber ist nach Auffassung der Verbände eine Kontrolle der Medien gefragt. Kinder zur Erhöhung der Einschaltquoten im Fernsehen zu prostituieren, ist sittenwidrig und hat mit Pressefreiheit nichts zu tun. Kinder sind keine Ware.

Der angebliche Zweck der Sendung, Jugendliche auf das Leben mit Kindern vorzubereiten, greift nach Ansicht der Fachverbände zu kurz: Kinder sind mehr als Stressfaktoren, sie brauchen verlässliche und verantwortungsvolle Beziehungen. Diese zu gestalten, ist für sehr junge Eltern eine besondere Herausforderung. Kinder wie Gegenstände auszuleihen, ist aber genau das falsche Signal. Die Fachverbände fordern deshalb RTL auf, die geplante Serie zu stoppen und signalisierten die Bereitschaft, den Sender bei der Suche nach einer angemessenen Behandlung des Themas zu unterstützen.

Die unterzeichnenden Verbände

  • Aktionskomitee KIND IM KRANKENHAUS e. V. – AKIK – Bundesverband
  • AWO Bezirksverband Hannover e.V.
  • BAG Evang. Familien-Bildungsstätten und Familien-Bildungswerke e. V.
  • BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V.
  • BAGE – Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen e.V
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus e.V.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen e.V.
  • Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, K.d.ö.R (BFGD)
  • Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (bke)
  • Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern e.V
  • Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V.
  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB)
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie e. V. (DGSF)
  • Deutscher Hausfrauenbund e.V
  • Deutsche Liga für das Kind e.V.
  • Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (Bundesamt Sankt Georg e.V.)
  • Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
  • Deutscher Lehrerverband
  • djo-Deutsche Jugend in Europa – Bundesverband e.V.
  • Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung e.V. (EKFuL)
  • Familiennetzwerk Deutschland – Eine Initiative des Familien e. V.
  • Freireligiöse Landesgemeinde Baden K.d.ö.R.
  • Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz K. d. ö. R.
  • Gemeinnützige Gesellschaft des VfS für Kinderbetreuung mbH
  • GfG – Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband e.V.
  • Grundschulverband e.V.
  • Haushalt in Bildung und Forschung e.V. (HaBiFo)
  • Humanistischer Verband Deutschlands e.V. – Bundesverband
  • Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) – Sektion Deutschland der Fédération Internationale des Communautés Educatives (FICE) e.V.
  • ISUV/VDU e.V. – Interessenverband Unterhalt und Familienrecht
  • Jugend der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG-Jugend)
  • Katholische Elternschaft Deutschlands (KED)
  • LAGF – Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Nordrhein-Westfalen
  • Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.
  • Landesverband für Pflege- und Adoptivfamilien- PAN e.V. NRW
  • Landesverband der Pflege-und Adoptivfamilien in Niedersachsen e.V.
  • LegaKids.net
  • Mütterzentren Bundesverband e.V.
  • Naturfreundejugend Deutschlands
  • Ortsverband der Pflege-und Adoptivfamilien im Landkreis Gifhorn e.V.
  • Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V
  • Päpstliches Missionswerk der Kinder in Deutschland e.V. (Kindermissionswerk “Die Sternsinger”)
  • Pestalozzi-Fröbel-Verband e.V.
  • Pflege- und Adoptivelternkreis Kreis Wesel
  • Prager-Eltern-Kind-Programm (PEKiP) e.V.“
  • pro familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik undSexualberatung e.V. Bundesverband
  • SHIA e. V. – Selbsthilfeinitiativen Alleinerziehender e.V. Bundesverband
  • Sichtwechsel e.V. für gewaltfreie Medien
  • SOS-Kinderdorf e.V.
  • spiel gut – Arbeitsausschuß Kinderspiel+Spielzeug e.V.
  • Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung,
  • Therapie, Supervision und Beratung e.V.
  • TQL – Total Quality Life®
  • Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. (VAMV)
  • Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
  • Verband Katholischer Internate und Tagesinternate e.V.
  • Vereinigung der Leitenden Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen
  • Deutschlands e.V. (VLKKD)
  • Verein Integrierte Mediation e.V.
  • Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD)
  • Zukunftsforum Familie e.V.

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Von der Leyen fordert Stopp von «Erwachsen auf Probe». Hier lesen Sie mehr

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Interview mit Karl-Heinz Brisch im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/RTL-Karl-Heinz-Brisch-Reality-Show;art15532,2805948

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Einen Offenen Brief aus Luxemburg finden Sie hier

Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)

zum Schutz von “Kleinstkindern” anläßlich der Anhörung zum geplanten
Kinderschutzgesetz im Bundestag z.K. finden Sie hier

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