Das Leben nach dem Trauma
Traumata können einmalig als überflutende Erfahrung auftreten wie z.B. bei einem Unfall, einem Überfall o.ä. oder mehrfach in Form von lang anhaltenden und wiederkehrenden überflutenden Situationen, wie Misshandlung oder Folter und körperliche, emotionale oder sexuelle Gewalt. Ferner unterscheidet man zwischen Gewaltformen, die von Menschen direkt verursacht wurden (Folter, Gewalt) und jenen, die nicht von Menschen direkt verursacht wurden (Unfälle, Katastrophen).
Bei einem Trauma handelt es sich um eine außergewöhnliche, todesnahe Erfahrung, begleitet von
- Ohnmachtgefühlen und Handlungsunfähigkeit
- fehlenden Ausweich- und Fluchtmöglichkeiten
- dem Erleben eines lebensgeschichtlichen Bruches: „Danach war alles anders“, „nichts ist mehr, wie es vorher war!“
- einem Zerreißen der Wahrnehmung: Es werden nur noch einzelne Details wahrgenommen, die Situation wird nicht mehr als Ganzes erfasst.
Die traumatische Erfahrung wird in Einzelteile “zerlegt” – da sie im Ganzen nicht auszuhalten ist!
Die Bewertung einer solchen Situation ist von Person zu Person unterschiedlich. Außerdem bestehen Unterschiede je nach Lebensalter, indem das Trauma erlebt wird. Kinder erleben manche Situationen anders als Erwachsene.
Beispiel: Während Erwachsene davon ausgehen müssen, dass Scheidungen/Trennungen vorkommen können, reagieren Kinder oft völlig überrascht und verletzt, weil sie eben nicht mit Trennung rechnen. Wenn sie von der wichtigsten Bezugsperson getrennt werden, kann das traumatisch sein, insbesondere dann, wenn die verbleibende Person eher distanziert oder sogar gewalttätig ist.
Menschen die ein und dasselbe Ereignis erlebt haben, können diese Situation ganz unterschiedlich bewerten und und auf völlig verschiedene Weise reagieren. Die einen einen erleben das Geschehen als Psychotrauma und entwickeln das Gefühl: “Das Leben ist vorbei!”. Andere empfinden es als „belastendes Lebensereignis“, haben aber das Gefühl: “Ich werde es überleben!”
Unbearbeitete Traumaerlebnisse können dazu führen, dass neue belastende Lebenssituationen, aber auch scheinbar harmlose Ereignisse als erneutes Trauma erlebt werden. Die Symptome “docken” immer wieder an die alten Gefühle an und addieren sich.
Das Leben kann dann immer schwieriger und belastender erscheinen… Sie brauchen Hilfe!
Posttraumatische Belastungsstörung
Die posttraumatische Belastungsstörung (oder auch posttraumatisches Stresssyndrom, PTS) wurde erst 1980 erkannt und benannt. Eine Ursache hierfür können die Folgen sexualisierter Gewalt in der Kindheit sein (Naomi Wolf, 1993, 233). Eine Posttraumatische Belastungsstörung liegt vor, wenn eine Person einer stark emotional und/oder körperlichen Belastung ausgesetzt ist, die außerhalb der üblichen menschlichen Erfahrung liegt und somit zu einem Trauma wird. Das traumatische Ereignis wird in irgendeiner Form ungewollt immer wieder, z.B. in der Phantasie, in Träumen, durch Rückblenden (flash-back) etc. erlebt und ist gekoppelt an die ursprünglichen Gefühle von Schock, Furcht und Schrecken. Es kann durch bestimmte Stimuli ausgelöst werden (Situationen, Orte, Personen etc.), die mit dem erlebten Trauma zusammenhängen. Dies kann dazu führen, dass diese Auslöser so stark vermieden werden, dass sie zur vollständigen Amnesie der auslösenden Ereignisse führen. Weitere Symptome sind die erhöhte Erregbarkeit der Betroffenen (Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche, Konzentrationsmängel, Schreckhaftigkeit etc.) und die Abstumpfung gegenüber alltäglichen Ereignissen mit dem Gefühl der Entfremdung von anderen Menschen. Die Dauer der Störungen beträgt mindestens einen Monat und klingt in der Regel nach mehreren Monaten ab, kann aber auch chronisch werden (vgl. u.a. Philip Zimbardo, 1992, 485; Ron van Outsem, 1993, 165f.). Fegert führt aus, “[...] dass bei den sexuell missbrauchten Kindern hochsignifikant häufiger die Diagnose einer ‘posttraumatischen Belastungsstörung’ gestellt wurde” (Jörg Fegert, 1994, 235).
Wir bieten Ihnen erste Hilfe an, wenn Sie von einem Trauma betroffen sind und helfen Ihnen bei der Suche nach einer spezialisierten TherapeutIn.
Einige empfehlenswerte Links:
http://www.psychotraumazentrum-kassel.de/
http://www.psychotraumatologie.de
Seite Für Betroffene christlichen Glaubens: http://www.joerg-sieger.de/trauma/